Kampf ums Öl in Nigeria eskaliert - Anschläge und Geiselnahmen
Stand: 25.01.2006
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa
Nairobi (dpa) - Die Angreifer benutzen gerne Schnellboote. Sie kennen sich aus auf den Wasserstraßen des Nigerdeltas. Aus dieser Gegend schöpft Nigeria seinen Reichtum, denn vor der Küste im Golf von Guinea gibt es so viel Öl, dass Nigeria der wichtigste Ölproduzent des Kontinents ist. Doch die Bevölkerung im Nigerdelta bekommt von dem Reichtum des Landes kaum etwas ab. Sie leidet stattdessen unter massiver Umweltverschmutzung. Militante Banden äußern zunehmend ihre Wut, indem sie Einrichtungen internationaler Ölunternehmen angreifen. Am Montag kamen bei einem Überfall auf ein Quartier des Ölunternehmens Agip erneut neun Menschen ums Leben.
Die Situation im Niger-Delta war seit Beginn der Ölförderung noch nie friedlich. Doch in den vergangenen Wochen häuften sich die militanten Aktionen. Erst wurde eine wichtige Ölleitung sabotiert, dann entführten die Aufständischen vier Mitarbeiter des Shell- Konzerns, unter ihnen ein Brite und ein Amerikaner. Shell drosselte seine Produktion zeitweise um etwa ein Zehntel. Eine paar Tage später kam es erneut zu einer Schießerei auf einer Ölplattform von Shell, bei der vier Wachsoldaten und acht der Angreifer getötet wurden.
Die vier Entführten befinden sich noch immer in der Hand der Geiselnehmer, einem von ihnen soll es gesundheitlich schlecht gehen. Die Kidnapper haben der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass sie nicht auf ein Lösegeld aus sind, sondern den Abzug aller ausländischen Ölarbeiter fordern. An ihrer Stelle sollen Einheimische den Ölreichtum des Deltas verwalten. Shell solle außerdem 1,5 Milliarden Dollar Entschädigung für die Umweltverschmutzung zahlen, die mit der Ölförderung einhergeht.
Im vergangenen Dezember jährte sich zum zehnten Mal der Tag, an dem der nigerianische Schriftsteller und Menschenrechts-Aktivist Ken Saro-Wiwa nach einem heftig umstrittenen Justizverfahren hingerichtet wurde. Amnesty International veröffentlichte zu diesem Anlass eine ernüchternde Studie, die deutlich machte, dass die Menschenrechtslage im Niger-Delta noch immer katastrophal ist.
Bei Nacht sehen die Einwohner im Delta die grellen Flammen, die beim Abfackeln der Gase in den Ölanlagen entstehen und die Luft verpesten. In ihren Hütten haben sie jedoch nicht einmal Strom. "Die Sicherheitskräfte töten noch immer ungestraft Menschen und radieren ganze Dörfer aus. Die Umweltschäden sind noch immer Realität", klagt Amnesty International.