Offshore-Boom in den USA bietet Chancen für deutsche Firmen
Stand: 02.09.2010
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: ddp
Rostock - Deutsche Unternehmen haben gute Möglichkeiten, vom beginnenden Boom der Offshore-Windkraft in den USA zu profitieren, so der Verein Wind Energy Network Rostock. US-Firmen hätten großes Interesse daran, mit hiesigen Unternehmen zusammenzuarbeiten, da die Entwicklung in Europa in diesem Bereich etwa fünf Jahre weiter sei als in Nordamerika. Dies sagte der Vereinsvorsitzende Andree Iffländer am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp. In Rostock findet bis Freitag ein deutsch-amerikanisches Branchentreffen zur Entwicklung der Windenergie auf hoher See statt.
Die Firmen aus Übersee seien bereit, in Deutschland zu investieren, um vom Technologievorsprung der hiesigen Unternehmen zu profitieren. Andererseits könnten sich Firmen auch aus Mecklenburg-Vorpommern gute Chancen ausrechnen, wenn sie sich in Nordamerika engagierten. "Wir sehen hervorragende Entwicklungspotenziale", sagte Iffländer.
Zum zweitägigen transatlantischen 2. Offshore Summit in Rostock haben sich rund 150 Windenergieexperten aus Wirtschaft und Politik angemeldet. Dabei sollen nach Angaben von Iffländer unter anderem Möglichkeiten der Kooperation ausgelotet werden. Den Gästen aus Amerika sollte unter anderem der Windpark Baltic 1 vorgestellt werden, der derzeit in der Ostsee entsteht.
Iffländer verwies darauf, dass in den USA der erste Windpark vor der Küste des Bundesstaats Massachusetts genehmigt worden sei. "An der gesamten nordamerikanischen Ostküste ist man sehr daran interessiert, die Windenergie voranzutreiben", sagte Iffländer. Grund für den Boom sei nicht zuletzt, dass US-Präsident Barack Obama nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko klar auf die Agenda gesetzt habe, die USA vom Öl unabhängiger zu machen.
Als Beispiel führte Iffländer den Bundesstaat Maine an. "Dort hat man bis jetzt ausschließlich auf Öl und Gas gesetzt. Jetzt ist Maine einer der ersten Staaten, der Teststandorte für Offshore-Windparks ausgewiesen hat." Maine sei mit seiner langen Küstenlinie besonders für die Nutzung der Windkraft auf hoher See geeignet. Da das Wasser vor der US-Küste allgemein tiefer sei als in Nord- und Ostsee, seien die Amerikaner unter anderem an schwimmenden Fundamenten für Windräder interessiert, wie sie von der Rostocker Firma Gicon entwickelt wurden.
Allerdings seien die deutschen Offshore-Firmen bereits auf dem heimischen Markt voll ausgelastet und hätten daher keine Kapazitäten, sich zusätzlich in Amerika zu engagieren. "Offshore-Anlagen werden bislang in sehr kleinen Serien gefertigt", sagte Iffländer. "Wir sind heute bei Offshore da, wo wir bei den Anlagen an Land Anfang der 1990er Jahre waren." Weltweit sei aber bereits ein Industrialisierungsprozess eingeleitet worden. "In Asien schießen die Firmen nur so aus dem Boden, und auch in den USA werden weitere entstehen", sagte Iffländer. Daher sei es besonders wichtig für deutsche Unternehmen, sich jetzt Kooperationspartner zu sichern, um die Entwicklung nicht zu verpassen.
Im Verein Wind Energy Network Rostock sind 71 Unternehmen der Branche zusammengeschlossen.