E.ON erobert den türkischen Energiemarkt
Stand: 05.12.2012
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Düsseldorf/Istanbul - Nach dem erfolgreichen Einstieg in den brasilianischen Energiemarkt will der Energieriese E.ON nun auch den türkischen Markt erobern. Das Unternehmen verspricht sich mit dem Einstieg in internationale Märkte eine Sicherung des Wachstums, das in Europa nach und nach wegbricht. Mit 50 Prozent beteiligt sich E.ON an dem türkischen Energieunternehmen Enerjisa.
Die Beteiligung übernehmen die Düsseldorfer von dem österreichischen Energiekonzern Verbund, der sich aus dem 2007 mit der Sabanci Holding gegründeten Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen wird. Die Türkei zähle zu den wachstumsstärksten Ländern mit zunehmendem Strombedarf, erklärte E.ON-Chef Johannes Teyssen in Istanbul.
Im Tausch für den Enerjisa-Anteil will E.ON die Beteiligungen an acht bayrischen Laufwasserkraftwerken an die Österreicher abgegeben. Die Transaktion hat eine Größenordnung von rund 1,5 Milliarden Euro. In die neue Partnerschaft will E.ON seine Fähigkeiten auf den Gebieten der konventionellen und erneuerbaren Stromerzeugung, der Brennstoffbeschaffung und des Stromvertriebs einbringen. "Ich rechne damit, dass sich das Geschäft in drei Jahren wertsteigernd für die Aktionäre auswirken wird", sagte Teyssen. Am Dienstag legte die E.ON-Aktie leicht zu.
Die Zeichen stehen auf Wachstum
Für die Türkei hat sich E.ON ehrgeizige Wachstumsziele gesteckt: "Wir wollen den Marktanteil im türkischen Erzeugungsmarkt von derzeit vier auf mindestens zehn Prozent im Jahr 2020 steigern", kündigte der E.ON-Chef an. Bis 2015 sollen jährlich 150 bis 200 Millionen Euro in den Aufbau neuer Kraftwerkskapazitäten gesteckt werden. Die Anzahl der Kunden solle sich bis 2020 auf zehn Millionen fast verdoppeln. Nach Aussage von Finanzvorstand Marcus Schenck sei ein Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens zu einem späteren Zeitpunkt denkbar.
Der Schritt in die Türkei ist für Eon strategisch bedeutsam. Um die Stagnation im europäischen Markt zu kompensieren, müssen sich Teyssen und seine Vorstandskollegen außerhalb Europas nach Wachstumsmärkten umsehen. Den Anfang machte im vergangenen Jahr Brasilien. Die Düsseldorfer spüren wie kaum ein anderes Energieunternehmen die Folgen der Energiewende. E.ON fehlen Einnahmen aus den bereits abgeschalteten Atomkraftwerken. Gleichzeitig muss der Konzern Milliardensummen in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken. Außerdem drückt ein Schuldenberg von 35 Milliarden Euro. Um an frisches Geld zu kommen, will sich das Unternehmen von Beteiligungen und Randaktivitäten im Wert von rund 15 Milliarden Euro trennen. Davon ist der größte Anteil bereits realisiert.