E-Plus-Mutter KPN streicht Dividende zusammen
Stand: 24.07.2012
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Den Haag - Nach einem schwachen zweiten Quartal hat die E-Plus-Mutter KPN die Dividende zusammen gestrichen. Statt wie bisher geplant 90 Cent je Anteilsschein will der niederländische Telekomkonzern für das laufende Jahr nur noch je 35 Cent an seine Aktionäre ausschütten. Wegen der schwierigen konjunkturellen Situation vor allem in den Niederlanden verlief das Geschäft im zweiten Jahresviertel schwächer als gedacht, teilte das Unternehmen am Dienstag in Den Haag mit. Die Aktie des ehemaligen Staatsmonopolisten rutschte am Morgen um 0,35 Prozent auf 7,303 Euro ab und war damit drittschwächster Wert im Amsterdamer Index AEX.
Unter dem Strich blieb mit 315 Millionen Euro ein Viertel weniger Gewinn übrig als im Vorjahreszeitraum. Branchenexperten hatten mit mehr Profit gerechnet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sackte um 13 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Der Umsatz gab im Verhältnis zu den Gewinnkennzahlen moderat um 3,0 Prozent auf 3,19 Milliarden Euro nach. Bei der Prognose für das operative Ergebnis, die Investitionsausgaben und den freien Barmittelzufluss wollte das Management um Vorstandschef Eelco Blok zunächst keine Abstriche machen.
Zwar sprach Blok von einem "operativ zufriedenstellenden" ersten Halbjahr 2012. Auch ohne die vervierfachten Kosten für den Konzernumbau hatte das EBITDA jedoch um knapp zehn Prozent nachgegeben. Stellenstreichungen und Kostensenkungen sollen dem wegbrechenden Geschäft entgegenwirken. Im niederländischen Heimatmarkt kämpft KPN mit harter Konkurrenz und verliert immer weiter an Boden. "Die wirtschaftlichen Aussichten in den Niederlanden bleiben weiter schwierig, und wir befinden uns außerhalb unseres finanziellen Rahmens", begründete Blok die geringere Gewinnausschüttung. Im August sollen die Aktionäre eine Zwischendividende von zwölf Cent erhalten.
Das Geschäft der deutschen Tochter E-Plus verläuft hingegen weiter gut. Der operative Gewinn (EBITDA) stieg mit 335 Millionen Euro zwar nur geringfügig, und die Gewinnspanne fiel leicht unter die starke Marke von 40 Prozent. Doch der Umsatz wuchs mit knapp fünf Prozent auf 842 Millionen Euro weiter kräftig. 39 Prozent der Erlöse erzielte E-Plus abseits des herkömmlichen Sprachgeschäfts. Die Zahl der ertragreicheren Vertragskunden stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp sieben Prozent. Wermutstropfen bleibt der Preisverfall: Im Frühjahr hatte E-Plus neue Flatrate-Billigtarife zum Telefonieren in alle deutschen Netze eingeführt - inklusive mobiler Internetnutzung.
In E-Plus sieht KPN weiter einen wertvollen Bestandteil des Konzerns. Einer Fusion von E-Plus mit der deutschen Telefonica-Tochter und deren Marke O2 hatte KPN im Juni eine Absage erteilt. Das belgische Mobilfunkgeschäft unter der Marke "BASE" wollen die Niederländer hingegen verkaufen. Ende Juni war der mexikanische Mobilfunkanbieter America Movil unter Multimilliardär Carlos Slim gegen den Wunsch des KPN-Managements bei den Niederländern eingestiegen und hatte sich knapp 28 Prozent gesichert. Nun will KPN nach eigenen Angaben Möglichkeiten der Kooperation mit dem neuen Großaktionär ausloten.
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