195 Millionen Alt-Handys verstauben ungenutzt in deutschen Haushalten
Stand: 03.04.2025
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Sie schlummern in Schubladen, Schränken oder im Keller: In deutschen Haushalten haben sich 195 Millionen ausrangierte Handys und Smartphones angesammelt. Das hat der Digitalverband Bitkom auf Grundlage einer repräsentativen Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren berechnet. So können Verbraucher ungenutzte Geräte weiterverwenden oder sachgerecht entsorgen.
Altgeräte-Berg wird ein wenig kleiner
Die Anzahl an Altgeräten in den Haushalten ist mit 195 Millionen zwar immer noch ungebrochen hoch, sinkt aber zum ersten Mal seit fünf Jahren: Ende 2022 belief sich die Anzahl ungenutzter Handys und Smartphones auf 210 Millionen, 2021 waren es rund 206 Millionen und 2020 noch 199 Millionen.
"In deutschen Haushalten lagert ein riesiger Rohstoffschatz. Smartphones enthalten Gold, Silber oder Seltene Erden, die wiederverwendet werden könnten. Statt sie ungenutzt liegen zu lassen, sollten alte Geräte weitergegeben oder fachgerecht entsorgt werden", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "So lassen sich wertvolle Ressourcen schonen, Elektroschrott vermeiden und die Umwelt schützen. Jedes zurück- oder weitergegebene Gerät zählt."
Mehr als die Hälfte hortet drei oder mehr Geräte
Die Mehrheit der Deutschen ab 16 Jahren (89 Prozent) hortet wenigstens ein ungenutztes Mobiltelefon zu Hause. Bei mehr als der Hälfte (54 Prozent) haben sich sogar drei oder mehr Altgeräte angesammelt. Zugleich ist die Bereitschaft gestiegen, sich von alten Mobiltelefonen zu trennen, wie eine weitere Bitkom-Befragung vom Herbst 2024 unter 1.005 Personen ab 16 Jahren ergab.
Demnach haben 21 Prozent in den letzten 12 Monaten mindestens ein Mobilgerät verkauft, entsorgt oder verschenkt. Das sind 4 Prozent mehr als noch 2022. 39 Prozent haben ihr Smartphone oder Handy privat oder an einen Händler weiterverkauft. 26 Prozent haben ihr Altgerät zurückgegeben, etwa im Elektrofachgeschäft oder im Laden. 10 Prozent haben es beim Kauf eines neuen Smartphones in Zahlung gegeben – dadurch reduziert sich der Kaufpreis. Nur 8 Prozent haben ihr Mobilgerät auf dem Recyclinghof entsorgt, 7 Prozent haben es verschenkt. 6 Prozent konnten ihr altes Smartphone an einen professionellen Anbieter für Refurbished-Geräte verkaufen. Diese bereiten die Geräte auf und verkaufen sie mit einer Garantie weiter.
5 Tipps zur Entsorgung
1. Auf den Recyclinghof bringen
Elektronik- und IT-Geräte gehören grundsätzlich nicht in den Hausmüll – auch nicht, wenn sie defekt sind. Sie enthalten nämlich nicht nur wertvolle Rohstoffe, die wiederverwendet werden können, sondern auch gefährliche Bestandteile wie beispielsweise Blei, Quecksilber oder Cadmium. Werden diese nicht sachgerecht entsorgt, gefährden sie die Umwelt. Alte Mobilgeräte können in den kommunalen Abfallsammelstellen abgeben werden. Wer sich den Weg zum Recyclinghof sparen will oder nicht mobil ist, kann – sofern die Kommune dies anbietet – elektronische Kleingeräte auch in einem Wertstoffmobil abgeben.
2. Beim Mobilfunkanbieter, Händler oder im Supermarkt zurückgeben
Mobilfunkhersteller und -anbieter nehmen alte Smartphones zurück, entweder vor Ort im Laden oder mit Rückversand an den Online-Händler. Praktisch: Auch beim Einkauf im Supermarkt oder bei Discountern können Altgeräte entsorgt werden – egal, wo sie ursprünglich gekauft wurden. Kundinnen und Kunden bringen ihr Handy wie beim Warenumtausch an die Kasse, dort wird geprüft, ob das Gerät rücknahmefähig ist. Die Rücknahmepflicht ist auf drei Mobilgeräte pro Rückgabe beschränkt.
3. An Refurbished-Händler verkaufen oder bei Neukauf in Zahlung geben
Refurbished-Händler haben sich auf den Wiederverkauf gebrauchter Geräte spezialisiert. Diese Option kommt bei Geräten in Frage, bei denen noch ein gewisser Wert zu erwarten ist und die keine gravierenden Schäden aufweisen. Oft lässt sich der Ankaufswert in einem Online-Formular berechnen. Wer wiederum professionell aufbereitete Geräte kauft, kann je nach Marke und Modell mit einer Ersparnis von bis zu 50 Prozent gegenüber dem Neukauf rechnen. Gebrauchte Marken-Geräte lassen sich auch beim Neukauf in Zahlung geben. Ein Beispiel: Wer ein neues iPhones direkt bei Apple kauft, kann für ein gebrauchtes Eintauschgerät von Apple in gutem Zustand zwischen 45 und 750 Euro als Gutschrift erhalten.
4. Für einen guten Zweck spenden
Ausrangierte Geräte lassen sich auch für einen guten Zweck an wohltätige Organisationen spenden. Auf diesem Weg kommen sie bedürftigen Menschen oder sozialen Einrichtungen zugute. Andere Organisationen stecken die Erlöse aus den Altgeräten in den Tier- oder Umweltschutz.
5. Persönliche Daten immer löschen
Egal, wie Sie Ihre Altgeräte entsorgen oder weitergeben: Die Löschung persönlicher Daten ist immer ein Muss. Fotos, Videos und Kontakte, besonders aber sensible Daten wie Passwörter und Login-Daten, sollten niemals in fremde Hände geraten. Mobilgeräte lassen sich in den Werkeinstellungen zurücksetzen – dabei werden alle Nutzerdaten gelöscht. Wer noch ein altes Android-Gerät mit SD-Slot hat, sollte auch die SD-Karte entfernen oder überschreiben. Die SIM-Karte sollte ebenfalls vor der Ab- oder Weitergabe entfernt oder unbrauchbar gemacht machen. Dies ist beispielsweise möglich, wenn Sie die PIN oder PUK oft genug absichtlich falsch eingeben.
Alte Geräte weiternutzen
Wer sein voll funktionsfähiges Altgerät gar nicht loswerden will, kann ihm zu Hause ein zweites Leben schenken – etwa als Fernbedienung oder Musikanlage. Erfahren Sie hier 10 kreative Verwendungsideen für alte Smartphones.